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"Ein junger Mann, der sich im Freien in einem Garten befindet, bohrt mit einer elektrischen Bohrmaschine ein Loch in ein Brett. Er trägt Freizeitkleidung und ist konzentriert bei der Arbeit.

Bauen ohne Genehmigung: Was ist erlaubt und was verboten?

Ein eigener Carport oder eine gemütliche Terrassenüberdachung – das klingt nach einem unkomplizierten Projekt für Zuhause. Aber halt, bevor Sie jetzt das Werkzeug holen: Haben Sie auch die Baugenehmigung im Blick? Es gibt wohl kaum etwas Ärgerlicheres, als den Bau schon verwirklicht zu haben und dann festzustellen, dass das Bauamt anklopft. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Projekte Sie tatsächlich ohne erforderliche Baugenehmigung umsetzen können und welche bösen Überraschungen drohen, wenn Sie die Vorschriften missachten.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Bestimmte Bauprojekte wie Carports, Gartenhäuser oder Terrassenüberdachungen können je nach Bundesland genehmigungsfrei sein. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Größe des Baus und die Art, wie er genutzt wird.

  • Bauen ohne behördliche Zustimmung kann schwerwiegende Konsequenzen haben, darunter hohe Bußgelder und Zwangsrückbau. Auch eine Nutzungsuntersagung des Bauwerks ist möglich, wenn die Sicherheit gefährdet ist.

  • Eine nachträgliche Baugenehmigung ist zwar möglich, führt aber oft zu zusätzlichen Kosten und einem aufwendigen Prüfungsprozess.

Keine behördliche Zustimmung: Vom kleinen Projekt zum großen Problem?

In Deutschland sind Bauvorhaben streng geregelt. Das Baurecht sorgt dafür, dass Gebäude sicher, umweltfreundlich und im Einklang mit dem Bebauungsplan errichtet werden. Für viele Bauprojekte ist daher eine amtliche Freigabe erforderlich. Doch es gibt Ausnahmen: Kleinere Vorhaben lassen sich bei bestimmten Bedingungen auch ohne Baugenehmigung umsetzen. Welche Regeln im Einzelnen gelten, hängt unter anderem von der Größe, dem Standort und dem Verwendungszweck des Bauwerks ab. Aufgrund der vielen Ausnahmen sollten Sie die baurechtlichen Vorschriften in Ihrem Bundesland allerdings genau kennen, um teure Folgen zu vermeiden.

Carport ohne Baugenehmigung

Ein Carport ist meist ein recht einfaches Bauwerk, das dennoch aufgrund seiner Größe und Konstruktion unter die Baugenehmigungspflicht fallen kann. In den meisten Bundesländern hängt die Genehmigungspflicht von der Größe, dem Abstand zur Grundstücksgrenze und der Bauordnung ab.

  • In vielen Bundesländern ist ein Carport bis zu einer Fläche von 30 Quadratmetern nicht genehmigungspflichtig.
  • Der Carport muss einen Mindestabstand von der Grundstücksgrenze einhalten, meist 3 Meter.
  • Materialien und Konstruktionsweise spielen ebenfalls eine Rolle. Ein offener Carport ist häufig genehmigungsfrei, während geschlossene Carports eine behördliche Zustimmung erfordern können.

Gartenhaus ohne Baugenehmigung

Ein Gartenhaus ist eines der häufigsten Bauprojekte, bei dem viele glauben, dass es keine Genehmigung erfordert. Tatsächlich hängt dies von verschiedenen Faktoren ab, die oft übersehen werden: Die Größe des Gartenhauses, der Verwendungszweck und die Lage auf dem Grundstück bestimmen, ob eine behördliche Zustimmung notwendig ist.

  • Die Grundfläche darf in vielen Bundesländern nicht größer als 30 Quadratmeter sein, in manchen sind auch nur 10 Quadratmeter zulässig.
  • Ein genehmigungsfreies Gartenhaus darf nicht als dauerhafter Wohnraum genutzt werden. Ein Indiz dafür wären beispielsweise fest installierte sanitäre Einrichtungen. Eine reine Nutzung als Abstellraum oder für Gartenwerkzeuge ist in der Regel in Ordnung.
  • Manche Bundesländer erlauben Gartenhäuser bis zu einer Höhe von 3 Metern ohne Genehmigung, bei einer Entfernung von mindestens 3 Metern zur Grundstücksgrenze.

Terrassenüberdachung ohne Baugenehmigung

Auch bei einer Terrassenüberdachung kann es je nach Bundesland Ausnahmen von der Genehmigungspflicht geben. Kleinere Überdachungen, die eine bestimmte Fläche nicht überschreiten, dürfen meist ohne amtliche Freigabe errichtet werden.

  • Häufig dürfen die Überdachungen nur eine Fläche von bis zu 30 Quadratmetern abdecken.
  • Der Abstand zur Grundstücksgrenze muss ebenfalls beachtet werden.
  • Wenn die Überdachung fest mit dem Haus verbunden ist, ist oft eine Bewilligung erforderlich.

Häufige Streitfälle von Bauprojekten ohne Genehmigung im Überblick

Bauvorhaben
Genehmigung vorgeschrieben?
Details
Carport
Häufig ja, abhängig von der Größe und dem Standort
Größe und Nähe zu Nachbargrundstücken sind entscheidend
Gartenhaus
Abhängig von der Grundfläche und Nutzung
Meist bis zu einer Größe von 10 bis 30 Quadratmetern genehmigungsfrei
Terrassenüberdachung
Meist ja, außer bei kleineren Anbauten
Nur kleine, einfache Konstruktionen sind genehmigungsfrei.

Weitere typische Fälle, bei denen eine Baugenehmigung unter bestimmten Bedingungen nicht erforderlich ist, sind auch folgende Bauvorhaben:

  • Gewächshäuser: Kleine Gewächshäuser, die nur dem Gartenbau dienen, sind in vielen Bundesländern nicht genehmigungspflichtig.
  • Mauern und Zäune: Je nach Höhe und Standort dürfen Abgrenzungen für das Grundstück, wie Mauern oder Sichtschutzwände, ohne amtliche Freigabe errichtet werden.
  • Pools und Teiche: Kleine Teiche im Garten oder nicht fest verbaute Pools fallen oft nicht unter die Baugenehmigungspflicht, besonders wenn sie eine bestimmte Tiefe oder Größe nicht überschreiten.
  • Schuppen und Geräteschuppen: Auch kleine Schuppen auf dem Grundstück oder Unterstände im Garten, die als Lagerplatz für Gartengeräte genutzt werden, sind oft ohne behördliche Freigabe erlaubt.
  • Photovoltaikanlagen: In manchen Fällen können Photovoltaikanlagen auf Dächern ohne Bewilligung installiert werden, sofern keine baulichen Veränderungen am Gebäude erforderlich sind.

Bauordnungen der einzelnen Bundesländer

In allen Bundesländern müssen gewisse Bedingungen erfüllt sein, damit keine amtliche Freigabe erforderlich ist. Der Bebauungsplan und die Bauvorschriften unterscheiden sich dabei in vielen Details, aber es lassen sich zwei grundlegende Cluster erkennen:

  1. Strengere Regelungen in dicht besiedelten Gebieten (zum Beispiel in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen) Hier gelten oft strengere Anforderungen an bauliche Vorhaben, da der Platz begrenzt ist und Nachbarrechte stark berücksichtigt werden. Genehmigungsfrei sind meist nur sehr kleine Bauten, und die Abstandsflächen zu den Nachbarn müssen strikt eingehalten werden.
  2. Lockerere Regelungen in ländlich geprägten Bundesländern (wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) In dünner besiedelten Gebieten sind die Vorschriften oft großzügiger. Hier können auch größere Gartenhäuser oder Carports unter bestimmten Bedingungen genehmigungsfrei sein. Abstände zu Nachbargrundstücken sind ebenfalls weniger streng.

Gesetzliche Folgen eines Baus ohne amtliche Freigabe

Wer ohne die erforderliche Genehmigung baut, verstößt gegen das Baurecht und muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Bei einem Verstoß drohen erhebliche Strafen und bauliche Maßnahmen.

Mögliche Strafen:

  1. Bußgeld: Je nach Schwere des Verstoßes kann das Bauamt hohe Bußgelder verhängen. Diese beginnen bei 500 Euro, liegen aber meist im vierstelligen, im Extremfall sogar im fünfstelligen Bereich von bis zu 50.000 Euro.
  2. Zwangsrückbau: Wenn das Bauvorhaben nicht den Vorschriften entspricht und auch keine nachträgliche Genehmigung erteilt werden kann, muss das Bauwerk oft abgerissen werden. Der Zwangsrückbau ist mit hohen Kosten verbunden, die der Bauherr oder die Bauherrin tragen muss.
  3. Nutzungsverbot: Bei besonders schwerwiegenden Verstößen oder Sicherheitsbedenken kann das Bauamt ein Nutzungsverbot für das Gebäude aussprechen. Das bedeutet, dass der Bau weder bewohnt noch anderweitig genutzt werden darf, bis die Situation rechtlich geklärt ist.

Nachträgliche Baugenehmigung

Wenn Sie bereits ohne Genehmigung gebaut haben, ist es oft möglich, eine nachträgliche Baugenehmigung zu beantragen. Diese Option wird als Legalisierung bezeichnet und bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihr Projekt im Nachhinein genehmigen zu lassen. Allerdings sollten Sie sich bewusst sein, dass der Prozess aufwendig sein kann und nicht immer erfolgreich verläuft.

Ablauf einer nachträglichen Baugenehmigung:

  1. Bestandsaufnahme: Zunächst wird die Situation vor Ort überprüft, um zu beurteilen, ob Ihr Bauvorhaben den aktuellen Vorschriften entspricht. Dabei werden Sie oft aufgefordert, Pläne und weitere erforderliche Unterlagen nachzureichen.
  2. Bauantrag stellen: Sie reichen einen regulären Bauantrag ein, in dem das Bauprojekt im Detail beschrieben wird. Dieser Antrag wird dann von der zuständigen Baubehörde nachträglich geprüft.
  3. Prüfung durch das Bauamt: Das Bauamt entscheidet, ob das Bauvorhaben den geltenden Vorschriften entspricht. In manchen Fällen werden bauliche Änderungen oder Anpassungen des Gebäudes gefordert, um die Genehmigung zu erteilen.
Risiken und Kosten einer nachträglichen Genehmigung

Eine nachträgliche Baugenehmigung ist meist mit zusätzlichen Kosten verbunden: Die Gebühren für den Bauantrag richten sich nach der Größe und dem Umfang des Bauvorhabens und betragen in der Regel zwischen 0,5 und 1 Prozent der Bausumme. Wenn das Bauvorhaben den geltenden Vorschriften nicht entspricht, kann das Bauamt zudem den Rückbau oder eine Anpassung des illegalen Baus verlangen. Dies kann mit erheblichen Mehrkosten verbunden sein.

Bauen ohne erforderliche Baugenehmigung: Vorsicht ist geboten

Auch wenn einige Bauvorhaben ohne Genehmigung möglich sind, sollte man sich immer gut informieren. Die Bauordnungen sind komplex und unterscheiden sich je nach Region. Um teure Fehler zu vermeiden, sollten Sie frühzeitig Kontakt zum zuständigen Bauamt aufnehmen. So lassen sich unnötige Kosten und rechtliche Probleme vermeiden.

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Häufige Fragen

Die Höhe des Bußgeldes hängt von der Schwere des Verstoßes und der jeweiligen Bauordnung ab. In der Regel liegen die Strafen zwischen 500 und 50.000 Euro. Bei besonders gravierenden Verstößen kann die Strafe noch höher ausfallen.

Kleine Gartenhäuser, Carports oder Terrassenüberdachungen sind in manchen Fällen genehmigungsfrei. Die genauen Regelungen hängen vom Bundesland, der Größe und der Nutzung des Bauwerks ab.

Ja, eine nachträgliche Genehmigung ist per Bauantrag möglich, allerdings mit zusätzlichen Kosten und einem aufwendigen Prüfungsprozess verbunden. Das Bauamt entscheidet, ob das Bauvorhaben nachträglich genehmigt werden kann.

Die Kosten für eine nachträgliche Legalisierung richten sich nach der Größe des Bauvorhabens. Sie betragen in der Regel zwischen 0,5 und 1 Prozent der Bausumme, hinzu kommen mögliche Gebühren für Anpassungen und bauliche Änderungen.

In der Regel ist der, der das Bauvorhaben plant und ausführt, verantwortlich für die Beantragung der Baugenehmigung – also beispielsweise der Bauherr oder die Bauherrin. Idealerweise übernimmt ein Architektur- oder Bauingenieursbüro die Planung und den Antrag.

In den meisten Bundesländern dürfen Gartenhäuser mit einer Grundfläche von bis zu 10 bis 30 Quadratmetern genehmigungsfrei errichtet werden, abhängig von der jeweiligen Bauordnung.

Hier gelten unterschiedliche Regelungen je nach Bundesland. In manchen Bundesländern sind Carports bis zu 30 Quadratmeter genehmigungsfrei, in anderen ist immer eine amtliche Freigabe erforderlich.

Redakteur

Experte für die Themen Innovation & Digitalisierung und Immobilien

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