
Klimagerechtes Bauen und Umbauen: eine Notwendigkeit in Zeiten von Extremwetter
Alle Inhalte im Überblick
Innerhalb weniger Minuten steht das Untergeschoss unter Wasser,
wertvolle Erinnerungen sind für immer verloren, und Ihr Zuhause ist schwer
beschädigt: Ein Albtraum, den niemand erleben möchte, doch in Zeiten des
Klimawandels wird er leider immer öfter Realität. Hochwasser, Sturmschäden und
andere Naturkatastrophen können Ihr Eigentum im schlimmsten Fall langfristig unbewohnbar
machen. Für Bauherrn und Eigenheimbesitzerinnen wird es daher immer wichtiger,
Gebäude klimagerecht zu planen oder umzubauen. Worauf Sie achten müssen.
Wählen Sie Baugrundstücke mit Bedacht, um natürliche Risiken zu vermeiden.
Sorgen Sie für ausreichende Entwässerung und verstärken Sie gefährdete Gebäudeteile wie Keller und Dächer.
Nutzen Sie nachhaltige Baumaterialien und energieeffiziente Technologien, um den CO2-Fußabdruck Ihres Hauses zu reduzieren.
Naturkatastrophen: Warum Sie sich und Ihr Zuhause schützen sollten
2024 wurde Deutschland von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Diese entstehen, wenn anhaltender Niederschlag auf gesättigte oder versiegelte Böden trifft. Das Wasser kann nicht schnell genug versickern und staut sich, insbesondere in tief liegenden Gebieten. Flüsse, die die plötzlichen Wassermassen nicht aufnehmen können, treten dann über die Ufer.
Zwischen Mitte 2023 und Mitte 2024 lagen hierzulande die 12 nassesten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes im Jahr 1881. In Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt führten Tage ununterbrochenen Regens neben Sachschaden in Milliardenhöhe leider auch zu mehreren Todesopfern. Ganze Ortschaften standen unter Wasser und tausende Menschen mussten evakuiert werden.
Andernorts ist zeitgleich nicht zu viel, sondern zu wenig Wasser das Problem. Hitzewellen, Dürre und Waldbrände sind die Folge. Und Studien prognostizieren: Die extremen Wetterphänomene in Deutschland, Europa und der Welt werden sich in den kommenden Jahrzehnten noch weiter verstärken.
Klimaereignisse weltweit

Neben der finanziellen Absicherung gegen Hochwasser und weitere Naturkatastrophen, zwingt uns der Klimawandel dazu, beim Bauen und Sanieren klug und vorausschauend zu handeln. Ein funktionierender Rückstauschutz, druckdichte Kellerfenster und weitere Maßnahmen können bei Hochwasser den entscheidenden Unterschied machen – damit Ihr Traumhaus auch dann noch standhält, wenn die Natur ihre Kräfte bündelt.
Grundlagen für klimagerechtes Bauen und Sanieren
Klimagerecht bauen und sanieren bedeutet, Gebäude technisch so zu errichten
und umzubauen, dass sie den Klimaveränderungen gewachsen und gleichzeitig
umweltfreundlich gestaltet sind. Dies sind die wichtigsten Grundlagen:
Region und Standort
Der Standort Ihres Grundstücks beeinflusst maßgeblich, wie stark es von extremen Wetterereignissen betroffen sein könnte:
- Vermeiden Sie Grundstücke in der Nähe von Flüssen oder in Senken, wo sich Wasser sammeln kann. Eine Hochwassergefahrenkarte hilft Ihnen, das Risiko in Ihrer Region besser einzuschätzen.
- Grundstücke in Hanglagen sind anfällig für Erdrutsche bei Starkregen. Wenn Sie ein solches Grundstück wählen, sollten Sie in eine stabile Hangbefestigung investieren.
- Auf offenen Ebenen müssen Sie mit starken Winden und starker Sonneneinstrahlung rechnen. Bevorzugen Sie Standorte, die geschützt liegen oder leicht über Windschutzwände und Sonnenschutzsysteme zu sichern sind.
- Ton- oder Lehmböden lassen Wasser nur langsam versickern. Entwässerungssysteme wie Sickergruben oder Drainagen sind hier essenziell.
Gebäudeschutz
Eine gut geschützte Immobilie widersteht den Klimaveränderungen besser:
- Überprüfen und reinigen Sie regelmäßig Ihre Regenrinnen, Fallrohre und Drainagen. Diese sollten zudem ausreichend dimensioniert sein, um weniger schnell zu verstopfen. Simulieren Sie mit einem Wasserschlauch, wie gut das System im Ernstfall funktioniert.
- Rückstauklappen verhindern, dass Wasser durch die Kanalisation in das Haus zurückfließt. Besonders bei starkem Regen kann es schnell zu einem Rückstau kommen, der ohne diese Maßnahme zu Überschwemmungen in Ihrem Keller führen könnte.
- Gefährdete Bereiche wie Kellerfenster sollten druckdicht verschlossen sein. Das Fundament kann durch Pfähle stabilisiert oder mit Stahlbeton verstärkt werden.
- Wählen Sie eine sturmfeste Dachkonstruktion und achten Sie auf eine gründliche Abdichtung der Übergänge zwischen Dach und Mauern. Fenster und Türen sollten mehrfach abgedichtet sein, um Wasser- und Windschäden zu verhindern.
Nachhaltiges Bauen
Neben der Klimaanpassung ist auch die Klimafreundlichkeit Ihres Baus von großer Bedeutung:
- Nutzen Sie nachhaltige Baustoffe wie Holz, das im Vergleich zu Beton eine deutlich bessere CO2-Bilanz aufweist. Lehmputzwände können Feuchtigkeit regulieren und tragen zu einem angenehmen Raumklima bei.
- Eine gute Isolierung reduziert den Energieverbrauch und verbessert den Wohnkomfort. Natürliche Dämmstoffe wie Schilf oder Hanf sind umweltfreundlich und effizient.
- Dach- und Fassadenbegrünungen verringern die Hitzeaufnahme und binden Regenwasser. So entlasten sie die Kanalisation bei Starkregen und verbessern das Mikroklima auf Ihrem Grundstück.
Tipp: Alles zum Thema Nachhaltiges Bauen – von der Planung bis zur Umsetzung – finden Sie in unserem Ratgeber „Das Bauen der Zukunft – wie Sie ein Haus fürs klimaschonende Wohnen errichten “.
Auswirkungen des Klimas auf Ihre Immobilie
Extreme Temperaturen
Hitze lässt Baumaterialien schneller altern. Risse in Wänden und Fundamenten sind die Folge und können die Stabilität des Gebäudes beeinträchtigen.
Empfehlung: Verwenden Sie helle Fassadenfarben und Dachmaterialien, die das Sonnenlicht reflektieren. Falls Vorschriften dunkle Dachdeckungen verlangen, können Solarkollektoren oder Dachbegrünungen als Alternative dienen. Sonnenschutzsysteme wie Rollläden und Jalousien an Fenstern tragen ebenfalls zur Temperaturregulierung bei.
Stürme und Starkregen
Sturmschäden betreffen oft zuerst das Dach, während heftige Niederschläge zu Überschwemmungen führen können, besonders wenn die Entwässerungssysteme überfordert sind.
Empfehlung: Wählen Sie eine Dachform ohne Überstände und verwenden Sie sturmfeste Dachziegel. Prüfen Sie regelmäßig die Befestigungen und Abdichtungen. Wer seine Entwässerungssysteme regelmäßig wartet, verhindert, dass Wasser ins Gebäude eindringt. Ein funktionsfähiger Blitzschutz ist zudem entscheidend, um Schäden durch Blitzschlag zu verhindern. Prüfen Sie regelmäßig, ob alle Komponenten intakt sind.
Nässe
Feuchtigkeit kann in Immobilien eindringen und zu Schimmelbildung sowie Materialschäden führen, wenn sie nicht ausreichend gegen aufsteigende Feuchtigkeit geschützt sind.
Empfehlung: Bei älteren Häusern kann es nötig sein, das Mauerwerk freizulegen, zu trocknen und neu abzudichten.
Schnee und Eis
Schneelasten können insbesondere Flachdächer stark belasten und sogar zum Einsturz bringen. Eis, das sich an Dachrändern bildet, kann Wasser unter die Dachbedeckung drücken und so Leckagen verursachen.
Empfehlung: Lassen Sie Ihr Dach regelmäßig vor und nach dem Winter inspizieren. Prüfen Sie, ob eine Verstärkung der Dachkonstruktion nötig ist, um Schneelasten besser zu tragen.
Vegetation und Naturgefahren
Bäume und Pflanzen bieten zwar Schutz und Schatten, können aber auch eine Gefahr darstellen. Herabfallende Äste oder eindringende Wurzeln können Gebäude beschädigen.
Empfehlung: Pflegen und überprüfen Sie regelmäßig die Vegetation in der Nähe Ihres Hauses. Setzen Sie bei Neuanpflanzungen auf tiefwurzelnde Bäume, die weniger Gefahr für die Immobilie darstellen.
Auswirkungen Ihres Hauses auf das Klima
Neben den klimabedingten Risiken für Ihr Haus sollten Sie auch den Einfluss Ihrer Immobilie auf Klima und Umwelt bedenken. Denn jedes Haus wirkt sich auf das Klima aus, sowohl durch seinen Energiebedarf als auch durch die verwendeten Materialien und die Art der Bebauung. Durch bewusste Klimaanpassungen bei Bau und Sanierung können Sie den ökologischen Fußabdruck Ihrer Immobilie verringern und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Energieverbrauch und Emissionen
Ein Haus benötigt Energie, sei es für Heizung, Kühlung, Beleuchtung oder die Warmwasserbereitung. Dieser Energieverbrauch trägt erheblich zu den Treibhausgasemissionen bei, besonders wenn fossile Energieträger wie Öl oder Gas genutzt werden – was den Klimawandel weiter vorantreibt.
Anpassung: Setzen Sie auf energieeffiziente Technologien wie Wärmepumpen , Solarthermie oder Photovoltaikanlagen . Diese reduzieren den Bedarf an fossilen Brennstoffen und senken die CO2-Emissionen deutlich.
Materialwahl
Verschiedene Baumaterialien haben unterschiedliche Umweltbilanzen. Baustoffe wie Beton und Stahl erfordern viel Energie in der Herstellung und verursachen hohe Emissionen.
Anpassung: Verwenden Sie nachhaltige Materialien wie Holz, Lehm oder natürliche Dämmstoffe. Diese Materialien haben eine bessere Umweltbilanz. Und sie tragen zu einem gesünderen Raumklima bei.
Abfall und Recycling
Während der Bauphase und auch während der Lebensdauer eines Hauses entsteht Abfall, der entsorgt werden muss. Dieser Abfall belastet die Umwelt, besonders wenn er nicht recycelt wird. Auch bei Abriss oder Umbau von Immobilien fallen große Mengen an Bauschutt an, der wiederum CO2-Emissionen durch Transport und Deponierung verursacht.
Anpassung: Planen Sie von Anfang an mit einem Fokus auf Recycling. Setzen Sie auf eine modulare Bauweise, die den Abfall minimiert und es erleichtert, Material wiederzuverwenden.
Bodenversiegelung
Das Haus selbst, Zufahrtswege oder Terrassen können die darunter liegenden Böden versiegeln. Versiegelte Flächen können kein Wasser aufnehmen, was bei Starkregen zu Überschwemmungen führen kann. Zudem trägt die Versiegelung zur Erwärmung städtischer Gebiete bei, da weniger Wasser verdunstet und die natürliche Kühlung fehlt.
Anpassung: Setzen Sie auf durchlässige Materialien wie Kies oder Rasengittersteine für Wege und Stellplätze. Eine Dachbegrünung hilft ebenfalls, Wasser zu binden und das Mikroklima zu verbessern.
Sie möchten ihr Gebäude klimagerecht umbauen?
Klimagerechtes Bauen und Umbauen – Ihre Verantwortung
Das Thema Klimawandel zwingt uns dazu, über konventionelle Bauweisen hinauszudenken und zukunftsorientierte Maßnahmen zu ergreifen. Klimagerechtes Bauen und Sanieren bedeutet nicht nur, sich gegen die Folgen der Klimaveränderung zu schützen, sondern für unsere Umwelt auch aktiv zur Reduktion der CO2-Emissionen beizutragen. Die richtige Standortwahl, nachhaltige Baumaterialien und effiziente Technologien sind Schlüssel zur Klimaanpassung – um Ihr Zuhause nicht nur widerstandsfähig, sondern auch zukunftssicher zu gestalten.
Häufige Fragen
Laut dem Deutschen Wetterdienst hat die Intensität von Starkregenereignissen und Stürmen in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Zudem verzeichnete Deutschland 2024 das nasseste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, was zu schweren Überschwemmungen führte, besonders im Süden des Landes. Diese Veränderungen machen deutlich, dass Naturkatastrophen auch in Deutschland in den kommenden Jahren wohl ein immer größeres Risiko darstellen werden – und das nicht nur in den bislang stärker betroffenen Gebieten.
Deutschland war in den letzten Jahren von mehreren schweren Naturkatastrophen betroffen. Besonders die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 und die Überschwemmungen im Sommer 2024 in Süddeutschland haben gezeigt, wie zerstörerisch solche Ereignisse sein können. Diese Katastrophen haben nicht nur enorme Sachschäden verursacht, sondern auch 135 Menschenleben gefordert.
Klimagerechtes Bauen bedeutet, eine Immobilie so zu planen und zu errichten, dass sie den klimatischen Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist. Dabei geht es um den Einsatz von umweltfreundlichen Materialien, eine energieeffiziente Bauweise und den Schutz vor Extremwetterereignissen. Ziel ist es, sowohl die Auswirkungen des Hauses auf das Klima zu minimieren als auch seine Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu erhöhen.
