
Was kosten und leisten Notrufsysteme für Zuhause?
Ein plötzlicher Sturz, ein medizinischer Notfall: Jetzt zählt schnelle Hilfe. Notruflösungen unterstützen in diesen kritischen Momenten. Sie sorgen dafür, dass pflegebedürftige oder ältere Menschen sich in Notlagen einfacher bemerkbar machen können – und geben Angehörigen mehr Gelassenheit. Was Sie über die Meldesysteme für Hausnotrufe wissen sollten.
Hausnotrufgeräte sind technische Meldesysteme, mit denen Pflegebedürftige in Notlagen schnell Unterstützung anfordern können.
Es gibt mobile und stationäre Systeme mit Funktionen wie Sturzdetektoren, Sprachverbindung oder GPS-Ortung.
Die Preise starten ab etwa 20 Euro monatlich und gehen bis zu 50 Euro, wenn zusätzliche Leistungen hinzugebucht werden. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen Pflegekassen die Kosten für den Basistarif.
Leitfaden Hausnotruf: Sicherheit per Notrufknopf
Ein Notrufsystem besteht aus elektronischen Geräten, die Pflegebedürftigen und Alleinlebenden helfen, im Notfall schnell Hilfe zu rufen. Ein typisches stationäres Hausnotrufsystem setzt sich dabei aus verschiedenen Grundelementen zusammen:
Die Bestandteile eines Hausnotrufsystems
- Basisstation für das Notrufsystem
Dieses Gerät wird in der Wohnung aufgestellt, dient als zentrale Kommunikationsschnittstelle – und ist oft an die Telefondose und ans Stromnetz angeschlossen. Einige moderne Basisstationen benötigen keinen Festnetzanschluss mehr, sondern funktionieren über das Mobilfunknetz. Alle Systeme sind mit einer Notrufzentrale verbunden. Dort sind in der Regel Adresse, Gesundheitsdaten, Kontaktpersonen, Medikamente, Sofortmaßnahmen und Hilfepläne hinterlegt. Alternativ ist auch eine Verbindung der Station mit bis zu 10 gespeicherten Zielnotrufnummern von beispielsweise Angehörigen oder Nachbarn möglich. Die meisten Systeme ermöglichen eine direkte Sprachverbindung über die Teilnehmerstation.
- Sender mit Notrufknopf
Ein kleiner Funksender mit einer Reichweite von bis zu 50 Meter wird als Armband, Halskette oder Clip getragen. Durch einen Druck auf den Notrufknopf löst die Person den Alarm aus. Die Sender sind in der Regel wasserfest, sodass sie auch im Bad genutzt werden können.
- Digitale Zusatzfunktionen
Neuere Modelle nutzen zusätzliche digitale Technologien wie Falldetektoren oder integrierte Gesundheitsfunktionen über eine App. So können auch Vitalwerte überwacht und direkt an die Notrufzentrale übermittelt werden. Das erhöht die Sicherheit, insbesondere bei chronisch Erkrankten.
Mobiler Notruf
Während sich die klassische stationäre Variante für Menschen eignet, die sich überwiegend in ihrer Wohnung aufhalten, bieten mobile Lösungen wie Notrufuhren oder Notrufarmbänder mehr Flexibilität. Sie sind ideal für Personen, die auch außerhalb der Wohnung aktiv sind. Die Geräte können den Standort über GPS ermitteln, was es erlaubt, auch bei Orientierungslosigkeit Hilfe zu leisten.
Die 3 zentralen Vorteile von Notrufsystemen
Ein Notrufsystem ermöglicht es, länger unabhängig zu leben. Betroffene können im Notfall umgehend Unterstützung rufen, ohne ein Telefon erreichen zu müssen – zugleich wissen Angehörige, dass im Ernstfall Hilfe vom Hausnotruf organisiert wird, auch wenn sie nicht vor Ort sein können.
Bei vielen Hausnotrufanbietern können auch direkt oder alternativ (etwa bei einem Pflegedienst) die Wohnungsschlüssel hinterlegt werden, damit die Rettungskräfte im Notfall schnell Zugang bekommen.
Systeme mit automatischer Sturzerkennung reagieren auch, wenn die Person selbst keinen Alarm auslösen kann.
Ein Hausnotruf ist ein wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit, aber auch die Wohnsituation spielt eine zentrale Rolle. Barrierefreies Umbauen kann helfen, Sturzrisiken zu minimieren und den Alltag deutlich zu erleichtern. Besonders für das Wohnen im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit sorgen Maßnahmen wie rutschfeste Böden, ebenerdige Duschen oder Treppenlifte für mehr Komfort und Selbstständigkeit. Ein umfassendes Konzept aus baulichen Maßnahmen und technischen Hilfsmitteln bietet langfristig die beste Grundlage für ein sicheres Zuhause.
Für wen ein Hausnotrufsystem sinnvoll ist
Elektronische Notrufgeräte können eine wertvolle Unterstützung sein für alle, die mehr Sicherheit im Alltag suchen, ohne auf ihre Eigenständigkeit verzichten zu wollen. Das umfasst:
- Pflegebedürftige jeden Alters
- Personen mit eingeschränkter Mobilität, die Schwierigkeiten haben, Hilfe zu rufen, wenn sie stürzen oder sich verletzen
- Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Diabetes, Herzproblemen oder Epilepsie, die in akuten Situationen schnelle Unterstützung benötigen
- Seniorinnen und Senioren, die trotz ihres Alters selbstbestimmt in ihrem Zuhause leben möchten
- Alleinlebende Personen
- Menschen ohne ständige Begleitung, die rund um die Uhr Hilfe erhalten möchten, auch wenn niemand in direkter Nähe ist
- Menschen in ländlichen Gegenden, in denen Nachbarn oft weit entfernt sind
- Personen mit erhöhtem Sturzrisiko
- Menschen, die aufgrund von Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen oder Krankheiten wie Parkinson und Osteoporose ein höheres Risiko haben, zu fallen und sich etwas zu brechen
- Weitere Situationen, in denen ein Hausnotrufsystem von Vorteil sein kann
- Nach Krankenhausaufenthalten: Für Personen, die sich nach einer Operation oder einem Unfall noch in der Genesungsphase befinden
- Bei fortschreitenden Erkrankungen: Für Personen mit Krankheiten wie MS, die im Alltag zunehmend Unterstützung benötigen
- Zur zeitweisen Überbrückung: Wenn Angehörige von Pflegebedürftigen oder Seniorinnen und Senioren vorübergehend nicht verfügbar sind, zum Beispiel während eines Urlaubs
Hinweis: Für Menschen mit Demenz ist ein elektronisches Meldesystem oft nicht ideal. Sie könnten Schwierigkeiten haben, den richtigen Moment für einen Notruf zu erkennen, oder den Alarm unkontrolliert auslösen.
Kosten und Finanzierung von Hausnotrufsystemen
Die Kosten für ein elektronisches Meldesystem setzen sich meist aus einer Anschlussgebühr und monatlichen Beiträgen zusammen.
- Einige Anbieter erheben eine einmalige Gebühr für die Installation und Einrichtung des Systems. Diese liegt zwischen 10 und 50 Euro, abhängig von Region und Anbieter.
- Die Basistarife kosten zwischen 20 und 25 Euro pro Monat. Mit zusätzlichen Leistungen, wie einer Mobilfunkverbindung oder erweiterten Services, steigen die Gebühren auf 30 bis 50 Euro monatlich.
Übersicht typischer Leistungspakete und möglicher Zusatzoptionen
Leistung | Basis | Komfort | Premium |
---|---|---|---|
Hausnotrufgerät mit Notrufknopf | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
24/7 Erreichbarkeit der Notrufzentrale | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
Persönliche Beratung | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
Erfassung von Gesundheits- und Kundendaten | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
Benachrichtigung von Angehörigen/Rettungsdienst | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
Gerätewartung und -service | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
Schlüsselhinterlegung | ✔️ | ✔️ | |
Kostenfreie Notfalleinsätze | ✔️ | ✔️ | |
Türöffnung bei Schlüsselverlust | ✔️ | ✔️ | |
Erweiterte Serviceleistungen (z.B. wöchentlicher Anruf, Verbindung zu Rauch-, Temperatur- oder Wassermeldern) | ✔️ |
Die Leistungen und Pakete variieren je nach Anbieter. Kunden sollten vorab prüfen, welche Leistungen sie benötigen. Die Pflegeversicherung übernimmt meist das Basis-Paket; Zusatzleistungen sind oft kostenpflichtig.
Quelle: S-Com
Kostenübernahme durch die Pflegekasse
Personen mit anerkanntem Pflegegrad können ein Hausnotrufsystem als technisches Pflegehilfsmittel beantragen. Die Pflegekasse übernimmt in diesem Fall die monatlichen Kosten bis zu einer Höhe von 25,50 Euro. Diese beinhalten auch die Anschlussgebühr und werden direkt an den Anbieter gezahlt. Zusatzoptionen wie Schlüsselhinterlegung müssen in der Regel selbst gezahlt werden.
Tipp: Um finanziellen Engpässen im Alter vorzubeugen, sollten Sie sich rechtzeitig über eine private Pflegezusatzversicherung als Teil Ihrer Pflegevorsorge informieren. Diese kann Kosten abfedern, die über die allgemeinen Leistungen der Pflegeversicherung hinausgehen.
- Voraussetzungen für die Kostenübernahme:
- Die Person hat einen anerkannten Pflegegrad und lebt allein oder ist über weite Teile des Tages allein zu Hause.
- Aufgrund des Gesundheitszustands besteht eine erhöhte Gefahr von Notfällen (etwa Sturzrisiko, Herzprobleme).
- Bei gemeinsamem Wohnen mit einer weiteren Person ist diese aufgrund eigener Einschränkungen nicht in der Lage, im Notfall Hilfe zu holen.
- Der Anbieter des Hausnotrufs muss einen Vertrag mit der Pflegeversicherung abgeschlossen haben. Der Medizinische Dienst (MD) prüft den Antrag.
- Wer zahlt, wenn die Pflegekasse nicht einspringt?
- Besteht keine Pflegebedürftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung können in seltenen Fällen auch Krankenkassen die Betriebskosten eines Hausnotrufsystems übernehmen, etwa wenn: der Hausnotruf als medizinisch notwendig eingestuft wird und eine ärztliche Verordnung vorliegt.
- Personen mit geringem Einkommen können beim Sozialamt Unterstützung beantragen.
- In vielen Einrichtungen des betreuten Wohnens sind die Kosten für ein Hausnotrufsystem bereits in der Grundpauschale enthalten.
- Laut Angaben der Verbraucherzentrale tragen etwa 75 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer die Kosten selbst. Diese können unter bestimmten Voraussetzungen als haushaltsnahe Dienstleistungen oder außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend gemacht werden.
Bedarf analysieren
Nicht alle Pflegebedürftigen brauchen dieselben Features. Überlegen Sie, welche Funktionen wichtig sind. Wollen Sie nur einen einfachen Notruf auslösen können, oder sollen Stürze automatisch erkannt werden? Denken Sie auch darüber nach, ob das Gerät über eine Notstromversorgung verfügen sollte, damit es bei Stromausfall durchgehend funktioniert. Das System sollte zudem leicht zu bedienen sein, besonders für Personen mit motorischen Einschränkungen. Wenn Sie häufig unterwegs sind, könnte ein mobiler Notruf mit GPS-Ortung sinnvoll sein.
Technische Aspekte beachten
Einige Anbieter bieten Testphasen an. Nutzen Sie diese, um das System in Ihrem Alltag auszuprobieren. Prüfen Sie, ob die Anlage in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus problemlos funktioniert. Stellen Sie sicher, dass stationäre Geräte mit Ihrem Telefonanschluss und Ihrer Stromversorgung kompatibel sind. Achten Sie auf die Reichweite des Funksenders, besonders in größeren oder mehrstöckigen Wohnbereichen, im Keller und im Garten.
Anbieter vergleichen
Informieren Sie sich über die angebotenen Leistungen. Die Notrufzentrale sollte rund um die Uhr erreichbar sein. Informieren Sie sich über die durchschnittlichen Reaktionszeiten. Einige Leistungserbringer bieten an, einen Wohnungsschlüssel zu hinterlegen, um im Notfall schnellen Zugang zu ermöglichen. Vergleichen Sie die Preise und lesen Sie die Vertragsbedingungen sorgfältig. Achten Sie auf Mindestlaufzeiten, Kündigungsfristen und mögliche versteckte Kosten.
Selbstständig bleiben, sicher wohnen: Technik hilft
Notrufsysteme bieten Pflegebedürftigen sowie Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit, sich länger selbstständig in den eigenen vier Wänden und auch außer Haus zu bewegen. Sie geben Betroffenen Sicherheit und Angehörigen ein beruhigendes Gefühl. Mit einer Vielzahl an Funktionen und Modellen gibt es für jede Lebenssituation eine passende Lösung. Wichtig ist, die individuellen Bedürfnisse zu analysieren und die Angebote sorgfältig zu vergleichen.
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Die wichtigsten Fragen rund um Notrufsysteme
Das beste System hängt von den individuellen Anforderungen ab: Stationäre Lösungen sind ideal, wenn Pflegebedürftige ihre Wohnung selten verlassen. Mobile Systeme mit GPS-Ortung eignen sich für aktive Menschen, die auch außer Haus Unterstützung benötigen. Geräte mit Sturzsensoren oder direkter Sprachverbindung bieten zusätzlichen Schutz. Nutzen Sie Testphasen, die viele Anbieter offerieren, um die beste Lösung für den Alltag und die Wünsche der betroffenen Person zu finden.
Über eine Notruflösung können Pflegebedürftige jeden Alters im Notfall schnell Hilfe rufen. Besonders Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder chronischen Erkrankungen sowie alleinlebende Seniorinnen und Senioren profitieren davon – und Familienangehörige haben die Gewissheit, dass im Ernstfall rasch Unterstützung von der Notrufzentrale organisiert wird.
Die meisten Anbieter übernehmen die Installation und erklären den Kundinnen und Kunden, wie das System funktioniert. Häufig gehört dieser Service zum Gesamtpaket und wird direkt bei der Bestellung angeboten. Alternativ können Angehörige oder Bekannte die Geräte einrichten. Viele Systeme sind so einfach zu bedienen, dass dafür keine technischen Vorkenntnisse nötig sind.
